Plötzlicher Herztod

Ein plötzlicher Herztod („sudden cardiac death, SCD“) tritt häufig unerwartet und manchmal ohne vorherige Warnzeichen auf. Die Ursachen, gerade in jungen Jahren, sind vielfältig und häufig liegen genetisch bedingte Veränderungen zugrunde.
Diese können zu strukturellen Veränderungen des Herzmuskelgewebes wie z.B. hypertrophe, dilative oder arrhythmogene rechtsventrikuläre Kardiomyopathien sowie zu der linksventrikuläre Non-compaction Kardiomyopathie führen.
Jedoch können 30–40% der Fälle durch eine Obduktion inklusive aller Anschlussuntersuchungen (Histologie, Toxikologie, ggf. forensische Bildgebung) nicht geklärt werden. Sie werden als „sudden arrhythmic death syndrome“(SADS) oder „sudden infant death syndrome (SIDS) bezeichnet. So sind primär elektrische Herzerkrankungen wie das Long-QT-Syndrom (LQTS), die katecholaminerge polymorphe ventrikuläre Tachykardie (CPVT) und das Brugada Syndrom (BrS)
für eine beträchtliche Anzahl der plötzlichen Todesfälle bei autoptisch unauffälligem Herzen verantwortlich.
In diesen genetisch bedingten Fällen von plötzlichem Herztod ist die postmortale Gendiagnostik auch häufig als „Molekular Autopsie“ bezeichnet, zur Klärung der Todesursache von enormer Bedeutung.

Molekulare Autopsie

Molekularer Autopsie bezeichnet die molekulargenetische Untersuchung von DNA (Desoxyribonukleinsäure) aus Blut oder Gewebe eines Verstorbenen auf das Vorliegen von krankheitsverursachenden genetischen Sequenzveränderungen. Ziel der molekularen Autopsie ist die Aufklärung einer bislang ungeklärten Todesursache oder die Bestätigung einer Verdachtsdiagnose hinsichtlich einer strukturellen Erkrankung des Herzens. Die Identifizierung einer genetischen Veränderung, die entweder selbst die Todesursache oder eine Prädisposition für den Tod darstellen kann, liefert in vielen Fällen von plötzlichem Herztod, gerade in jungen Jahren, einen Hinweis auf die Todesursache.

Vor allem in rechtsmedizinischen Instituten, wo viele plötzliche und unerwartete Todesfälle zur Untersuchung kommen, tritt der Nachweis genetischer Veränderungen zur Klärung der Todesursache immer mehr in den Vordergrund. Durch die Suche nach krankheitsverursachenden genetischen Veränderungen kann somit ein wichtiger Beitrag zur Todesursachenermittlung erfolgen. Eine postmortale Gendiagnostik muss jedoch stets von spezialisierten Experten durchgeführt und in ein strukturiertes, multidisziplinäres Vorgehen eingebettet werden.

Familienuntersuchungen

Sofern eine genetisch bedingte Herzerkrankung für den plötzlichen Herztod ursächliche ist, handelt es sich meist um Erkrankungen mit autosomal-dominantem Erbgang. Genetische Untersuchungen in Fällen von plötzlichem Herztod haben somit auch eine unmittelbare Relevanz für biologisch verwandte Angehörige, da diese potenziell auch von kardialen Ereignissen bedroht sein können. Daher wird eine frühzeitige und präventive Diagnostik, ggf. mit genetischer Untersuchung, hinsichtlich der Prävention weiterer kardialer Ereignisse für von einem plötzlichen Herztod betroffene Familien empfohlen. Somit kommt der molekularen Autopsie neben der Klärung der Todesursache auch in der Diagnostik, Therapie und Prävention innerhalb der betroffenen Familien eine entscheidende Rolle zu.